Das Jahr 2025 war für die JAA ein wichtiges Jahr, weil die Helvetisierung der JAA abgeschlossen und die Pilotierungen gestartet wurden.
Die Helvetisierung der JAA erfolgte in enger und erfolgreicher Zusammenarbeit mit dem österreichischen Team. Im Vordergrund standen die Anpassungen der österreichischen Basis (Digitaler Justizarbeitsplatz, DJAP) an die schweizerischen Rahmenbedingungen insbesondere an die drei Landessprachen. Ein zentraler Erfolgsfaktor war, dass die Helvetisierung nicht isoliert "nur funktional" umgesetzt wurde, sondern zusammen mit der operativen Vorbereitung: Es wurden produktionsnahe Test- und Validierungsgrundlagen etabliert, die notwendigen Setups bei IT-Service-Providern vorbereitet und die Pilotierungsfähigkeit organisatorisch abgesichert (inkl. begleitender Schulung, Informationsaustausch und Einbindung der Pilotanwenderinnen und -anwender). Im Juli 2025 hat der Projektausschuss den Abschluss der Entwicklungs-bzw. Helvetisierungsphase abgenommen und die Pilotierung der JAA formell freigegeben.
Das ISDS-Konzept zur JAA wurde in einer ersten Version erfolgreich fertiggestellt. Es bietet eine einheitliche und verbindliche Basis für die Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden. Das ISDS-Konzept dient als Referenzrahmen hinsichtlich der Informationssicherheit von der Entwicklung über die Pilotphase bis hin zum finalen Roll-out der JAA.
Im Rahmen der Pilotierung mit ausgewählten kantonalen Behörden wurde ein behördenspezifisches ISDS-Konzept erarbeitet, konsolidiert und zu einer standardisierten Version weiterentwickelt. Diese Vorlage soll kantonalen Behörden als strukturierte Grundlage für ihre eigene ISDS-Dokumentation zur Verfügung stehen. Ergänzend wurden wesentliche Begleitdokumente wie das Risiko-Assessment und die Vorlagen zur Auftragsdatenverarbeitung (ADV) überprüft und überarbeitet. Diese Dokumente sollen die kantonalen Behörden bei der Pilotierung bzw. Einführung der JAA unterstützen.
Zudem wurden die Voraussetzungen für eine strukturierte und kontinuierliche Sicherheits- und Risikobewertung geschaffen.
Im Berichtsjahr wurden Penetrationstests durchgeführt, um die Sicherheit der Applikation in der Entwicklungsphase zu überprüfen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden systematisch ausgewertet und fliessen in die Risikobetrachtung der JAA ein. Basierend auf diesen wurden geeignete Massnahmen definiert, priorisiert und im weiteren Projektverlauf umgesetzt, unter Berücksichtigung des Entwicklungsstands und der identifizierten Risiken. Zukünftig sind diese Tests als festes, wiederkehrendes Instrument eingesetzt, um das Sicherheitsniveau sowie Veränderungen im Risikoprofil langfristig und lückenlos zu überwachen.
Im Herbst erfolgte der Start der Pilotierungen der Justiz (Pouvoir judiciaire) Genf und des Bundesverwaltungsgerichts. Rückmeldungen aus Nutzung und Betrieb dieser Piloten werden seither gezielt genutzt, um die fachlichen Abläufe und den technischen Betrieb weiter zu schärfen und zu verbessern. Die ersten Rückmeldungen sind positiv und die Pilotbehörden haben bereits Pläne konkretisiert, die JAA im grösseren Rahmen zu nutzen.
In Zusammenarbeit mit HIS (Harmonisierung der Informatik in der Strafjustiz) wurde ein erfolgreicher Proof of Concept (PoC) für eine elektronische Justizvollzugsakte (eJVAkte) durchgeführt. Dieser liefert eine Grundlage für die fachliche und technische Einbindung der Vollzugsbehörden.
Ein zusätzlicher Schwerpunkt der JAA-Arbeiten war die Integration von Fachapplikationen, in welchen weiterhin die Verfahrensdaten gepflegt werden. Beim Bundesverwaltungsgericht handelt es sich um die Integration der Fachapplikation MyAbiJuris (LogObject), in Genf um DM.Web (Eigenentwicklung) sowie im PoC für die eJVAkte, um die Integration mit Gina (Glaux). Damit ist nachgewiesen, dass ein breites Spektrum von Fachapplikationen erfolgreich an die JAA angebunden werden kann und die JAA mit verschiedenen Architekturen von Fachapplikationen integrationsfähig ist. Zusätzlich wurde auch die Stand-alone-Lösung der JAA weiterentwickelt. Diese Lösung erlaubt den Behörden die Nutzung der JAA ohne Integration mit einer Fachapplikation, sollte diese noch nicht zur Verfügung stehen.
Parallel dazu wurden die Voraussetzungen für die nachhaltige Liefer- und Betriebsfähigkeit weiter gestärkt: Der Aufbau des schweizerischen Entwicklungsteams und der Entwicklungs-/Pilotierungsumgebung als Grundlage für eine sichere und stabile Software-as-a-Service (SaaS-)Lösung der JAA wurde erfolgreich vorangetrieben. Damit sind zentrale DevOps- und Betriebsmechanismen (Release-/Deploy-Prozesse, Überwachung, Betriebsdokumentation und Support) etabliert bzw. konsolidiert, um Pilotbehörden in einer kontrollierten, mandantenfähigen Umgebung verlässlich zu bedienen und die Skalierung vorzubereiten.
Im Jahr 2026 liegt der Fokus auf der Weiterführung und gezielten Ausweitung der Pilotierungen. Neben der Stabilisierung und Weiterentwicklung auf Basis der bisherigen Erfahrungen soll die Nutzung in weitere Behördenkontexte ausgedehnt werden – insbesondere in die Strafjustiz (u. a. Staatsanwaltschaften und Strafgerichte). Damit sollen zusätzliche Referenzen geschaffen und die End-to-End-Abdeckung für die relevanten Verfahren weiter gestärkt werden.
Gleichzeitig werden Kommunikations- und Informationsmassnahmen gezielt verstärkt, um Nutzen, Vorgehen und Rahmenbedingungen transparent zu machen und Erwartungen früh zu klären. Ein intensiver Austausch mit allen relevanten Stakeholdern (Gerichte, Staatsanwaltschaften, Bund, Fachapplikations-Hersteller und weitere Partner) stellt sicher, dass Anliegen strukturiert aufgenommen, priorisiert und in eine nachvollziehbare Roadmap überführt werden. Diese aktive Akzeptanzarbeit ist zugleich eine zentrale Grundlage, um die langfristige Finanzierung abzusichern: Durch abgestimmte Kommunikation, belastbare Entscheidungsgrundlagen und die kontinuierliche Einbindung der Stakeholder sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die JAA schweizweit als Standardlösung für die elektronische Aktenführung etabliert und als nachhaltige Lösung ausgerollt, weiterentwickelt und langfristig betrieben werden kann.
Raymond Stebler, Projektleiter JAA