Plattform justitia.swiss

Im Jahr 2025 wurde die Plattform justitia.swiss, über welche der elektronische Rechtsverkehr und die Akteneinsicht abgewickelt wird, unter realen Bedingungen mit Pilotbehörden erprobt, erweitert und stabilisiert. Gleichzeitig wurden zentrale fachliche, technische und konzeptionelle Weiterentwicklungen umgesetzt. Diese Vorgehensweise bildete die Grundlage, um Architektur, Prozesse, Sicherheit und Skalierbarkeit frühzeitig zu validieren und gezielt weiterzuentwickeln. Parallel dazu lag ein klarer Fokus darauf, die bisher bekannten Vorgaben des Bundesgesetzes über die Plattformen für die elektronische Kommunikation in der Justiz (BEKJ) zu erfüllen.

Das Team leitete dabei ein einfaches, aber anspruchsvolles Prinzip: stets das Richtige und Wichtige tun – aber nicht alles, was technisch möglich wäre. Mit einem engagierten Plattform-Team bei Justitia 4.0 sowie starken Partnern in Entwicklung (Zühlke) und Betrieb (ELCA) konnte die Plattform ihre Rolle als verlässliche Infrastruktur für den elektronischen Rechtsverkehr weiter stärken.

Betrieb, Testing und Nutzung – Realität statt Annahmen

Das Jahr 2025 stand im Zeichen des realen Betriebs der Plattform für den elektronischen Rechtsverkehr, einer wachsenden Zahl angeschlossener Pilotorganisationen sowie zunehmenden Anforderungen aus rechtlicher, betrieblicher und sicherheitsrelevanter Sicht. Die Plattform bewegte sich dabei bewusst im Spannungsfeld zwischen Innovation und Betriebsstabilität: Neue Funktionen wurden gezielt dort umgesetzt, wo sie regulatorisch oder betrieblich erforderlich waren, während an anderer Stelle konsequent vereinfacht und stabilisiert wurde. Eine zentrale Rolle spielte dabei immer das Thema Sicherheit.

Der Betrieb der Plattform justitia.swiss verlief im Jahr 2025 stabil und belastbar, obwohl parallel zahlreiche fachliche, technische und konzeptionelle Erweiterungen umgesetzt wurden und erste Skalierungsfragen unter realen Bedingungen sichtbar wurden. Betriebs-, Support- und Eskalationsprozesse wurden weiter präzisiert und etabliert. Das regelmässige SLA-Reporting in den zuständigen Gremien trug zusätzlich zur Transparenz und Steuerbarkeit des Betriebs bei.

Der Fokus verschiebt sich so gezielt in Richtung weitergehender Testformen. Insbesondere Schnittstellen-Tests (API-Tests) und eine stärkere Automatisierung gewinnen im Hinblick auf die erwartete Skalierung der Plattform deutlich an Bedeutung. Diese Tests bilden eine zentrale Grundlage, um Skalierbarkeit, Auskunftsfähigkeit und Betriebssicherheit langfristig sicherzustellen.

Die Nutzung der Plattform erfolgte im Berichtsjahr überwiegend über die Web-GUI (Zugang via Webbrowser). Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Fachapplikationen der Behörden derzeit noch nicht auf dem Stand sind, dass sie mit der Plattform integriert werden können. Daraus ergibt sich ein wachsender Druck, zusätzliche Anforderungen direkt in der Web-GUI umzusetzen. Die Plattform soll jedoch nicht zum Ersatz für fehlende Fachapplikationen werden, sondern ihre Rolle als skalierbare, sichere und integrationsfähige Basis konsequent wahrnehmen. Die Weiterentwicklung der Plattform folgt daher konsequent dem Prinzip, nur jene Anforderungen umzusetzen, die Skalierbarkeit, Sicherheit und Integrationsfähigkeit langfristig unterstützen.

Gleichzeitig traten im laufenden Pilotbetrieb auch einzelne Störungen und Herausforderungen auf. Diese wurden bewusst genutzt, um Prozesse, Abläufe sowie die Zusammenarbeit zwischen Plattform-Team, Entwicklungs- und Betriebspartnern weiter zu verbessern. Der Umgang mit diesen Situationen stärkte sowohl die operative Reife der Plattform als auch die organisatorische Sensibilität für Betriebs- und Stabilitätsfragen.

Sicherheit – erfolgreich geprüft

Sicherheit ist und bleibt das nicht verhandelbare Fundament der Plattform. Ein erfolgreich durchgeführtes Bug-Bounty-Programm sowie ergänzende Penetrationstests lieferten wertvolle und konkret umsetzbare Erkenntnisse. Parallel dazu wurden die SOC‑ und SIEM‑Funktionalitäten schrittweise abgenommen und in den Betrieb überführt. Mit einer Krisen‑ und Reaktionsübung wurden definierte Abläufe zudem praktisch erprobt und weiter geschärft.

Sicherheit wird nicht als statischer Zustand verstanden, sondern als kontinuierlicher Prozess mit überprüfbaren Ergebnissen. Die Plattform konnte sich so klar als sichere Plattform positionieren – eine zentrale Voraussetzung für die breite Akzeptanz. Die im Jahr 2025 gewonnenen Erkenntnisse bilden eine belastbare Grundlage, um die Sicherheitsarchitektur der Plattform im Hinblick auf die Anforderungen des BEKJ weiter zu skalieren und nachhaltig zu betreiben.

Skalierung und Performance – erste Realitätstests

Der Schritt von rund 10’000 im Pilotbetrieb ausgestellten Quittungen hin zu bis zu 40 Millionen Quittungen pro Jahr im Rahmen des Obligatoriums stellt keine lineare Weiterentwicklung, sondern einen grundlegenden System- und Paradigmenwechsel dar. Die grösste Herausforderung liegt dabei nicht im Zielwert selbst, sondern in der Ungewissheit der Wachstumskurve. Diese erfordert gezielte Investitionen in Last- und Performance-Tests, belastbare Prozesse, Monitoring sowie eine hohe Auskunftsfähigkeit gegenüber Stakeholdern und Aufsichtsorganen.

Das Jahr 2025 wurde deshalb gezielt genutzt, um Last‑ und Performance-Tests vorzubereiten, Skalierungsmechanismen zu validieren und die Auswirkungen auf Kosten, Betrieb und Architektur frühzeitig sichtbar zu machen. Skalierbarkeit ist damit kein theoretisches Versprechen mehr, sondern eine klar adressierte Kernkompetenz der Plattform, die auch 2026 weiter im Fokus stehen wird.

Konstruktive Zusammenarbeit bei der Erarbeitung der Verordnung zum BEKJ

Neben den Bestimmungen des BEKJ wird die Plattform justitia.swiss auch die Bestimmungen der Verordnung erfüllen müssen, damit sie die Bewilligung zum Betrieb erhält. Im Rahmen der vom Bundesamt für Justiz geleiteten Begleitgruppe zur Verordnung zum BEKJ wurden die regulatorischen Anforderungen der Verordnung mit den Realitäten von Betrieb, Sicherheit und Skalierbarkeit abgeglichen und technische Umsetzungsoptionen gemeinsam geklärt.

Ausblick

Der Schwerpunkt der Arbeiten an der Plattform justitia.swiss verschiebt sich von der Weiterentwicklung im Pilotkontext hin zur konsequenten Vorbereitung auf den Regelbetrieb im Rahmen des BEKJ. Dabei stehen Skalierbarkeit unter deutlich steigender Last sowie Sicherheit und Integrationsfähigkeit klar im Vordergrund. Last- und Performance-Tests werden systematisch ausgebaut, Prozesse weiter geschärft und die Auskunftsfähigkeit gegenüber Stakeholdern und Aufsichtsorganen gestärkt.

Parallel dazu wird die Sicherheitsarchitektur der Plattform weiter gefestigt und auf die Anforderungen des BEKJ ausgerichtet. Die im Jahr 2025 etablierten Sicherheits-, Monitoring- und Reaktionsmechanismen bilden hierfür eine belastbare Grundlage.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Integrationen über standardisierte Schnittstellen. Die Rolle der Plattform als stabile und sichere Basis für Fachapplikationen soll weiter gestärkt werden, ohne selbst zum Ersatz für fehlende Fachsysteme zu werden. Priorisierung und bewusste Fokussierung bleiben dabei zentrale Leitprinzipien.

Marcel Ging, Projektleiter Plattform

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